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Our only true life is in the future • Johann Husser (*1990 in Kemerovo, RUS) studierte Raumplanung an der TU Dortmund und schloss sein Studium der Fotografie 2018 an der FH Dortmund ab. Zudem ist er als freier Fotograf aktiv. • Text: Felix Fischer

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Seine fotografische Arbeit „Our only true life is in the future“ die von ‚WELTGAST - MACHT - KUNST’ in Buchform (Auflage 50 Exemplare) präsentiert wird, bestrebt eine hypothetische Zukunftsvision zu erschaffen. Inspiriert durch Science Fiction Filme und Romane wie Stalker und Blade Runner lässt die Zusammenstellung von Abbildungen beim Rezipienten die Vorstellung einer dystopischen Landschaft entstehen. Dabei schöpft das ausgewählte Bildmaterial nicht nur aus eigenen Fotografien, sondern auch aus dem freien Bildarchiv der NASA, wobei die Zuordnung und Autorenschaft der jeweiligen Bilder undurchsichtig bleibt. Die durch die Absenz von Menschen und die Brutalität der dokumentierten Architektur unwirklich wirkenden Studien urbaner Nicht-Orte werden mit dem Found Footage Material der NASA sowie Aufnahmen von Natur und Sedimenten auf den ersten Blick kontrastiert, respektive zu einem erweiterten Interpretationsraum ergänzt. Die Aneinanderreihung der Bilder erfolgt dabei teilweise nach einer sichtbaren Ordnung anhand formaler Aspekte.

Durch Größenentsprechungen und Formanalogien zwischen den sequenzartig aufeinanderfolgenden Abbildungen, deren Nachbilder sich beim Durchblättern des Fotobuches potenziell ineinanderfügen, ergeben sich überraschende Korrespondenzen zwischen den jeweiligen Ansichten. Dadurch wird ein grenzüberschreitendes Bildkontinuum erzeugt, das sowohl räumliche als auch inhaltliche Bezüge entstehen lässt. So taucht die runde Planetenform unweigerlich in einem undefinierbaren, pfützenartigen schwarzen Loch, das wie ein Portal in den Weltraum erscheinen mag, wieder auf. Der Schattenwurf im Durchgangsbereich eines Innenraumes wiederholt sich in der Form des aufrechtstehenden Steines auf der Folgeseite, der für sich ein Zitat des Monolithen aus 2001: A Space Odysee (1968) darstellt, seinerseits eine formale Reaktion Stanley Kubriks auf die amerikanische Minimal Art der 1960er Jahre.

In den einzigen Aufnahmen auf denen Menschen zu abgebildet sind, sieht man obskure, futuristische, gleichzeitig veraltet wirkende Gerätschaften, die so „vintageartig“ wirken, als hätten wir unsere Zukunft schon hinter uns gelassen. Historisch betrachtet hatten die visionären Beschreibungen und Bildwelten von Science Fiction Literatur und Filmen wie George Méliès Le Voyage dans la Lune (1902) oder Fritz Langs Metropolis (1927) stets großen Einfluss auf spätere technische Entwicklungen. Sie wirkten in ihrer avantgardistischen Kraft als Impulsgeber für Innovationen und kreierten massenmediale Vorbilder, die unsere Zukunftsbestrebungen lenkten und letztendlich die Realität unserer Gegenwart und Nachwelt vorausbestimmen sollten. Gleichwohl ist ihnen immer auch ein mahnender Charakter inhärent. Der Titel der Arbeit „Our only true life is in the future“ ist dem Monolog O’Briens in George Orwells Klassiker 1984 entlehnt, der, 1949 erschienen, einen zukünftigen totalitären Überwachungsstaats beschreibt. Auch wenn sich das Orwell Zitat in Kombination mit dem Bildmaterial der Arbeit neu kontextualisiert, erscheint die von Johann Husser skizzierte Zukunft, welche einmal gewesen sein wird, doch eher wie eine düstere Prognose, die uns als Zeitgenossen eines ‚Late Capitalism’ den stetigen Fortschrittsanspruch unserer Gesellschaft hinterfragen lässt. In heutigen Zeiten, in denen angefangen mit den Recherche-methoden im Grunde jegliche bildende Kunst dem Postinternet zugehörig ist, geht Johann Husser in seiner feinfühligen künstlerischen Strategie gewissermaßen einen Schritt zurück, um in seiner Betrachtungsweise voranzukommen, was seiner Arbeit einen sympathischen wie subtilen Charakter verleiht. Gleichzeitig ist sie eine Verbeugung vor den großen Visionären des Science Fiction.

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