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Schall & Schnabel kombinieren in ihrer Bildserie "How to modify an ocean in cycles" Fotografie und 3D Renderings. Die Arbeiten umkreisen einen Charakter, der sich jeder Zuordnung entzieht. • Text: Robert Monat Berlin 2018

Eileen Huhn (*1989 in Ludwigslust) und Pierre Horn (*1984 in Wismar) gründeten 2013 das multidisziplinäre Studio Schall & Schnabel. Sie arbeiten als Fotografen und Regisseure.

How to modify an ocean in cycles ist eine Bildserie, in der Fotografien und 3D Renderings miteinander kombiniert wurden. Die entstandenen Arbeiten, die einen nicht näher spezifizierten Charakter umkreisen, zeigen ein Spektrum an möglichen Kombinationen beider Medien auf. Während in einigen Arbeiten mehr der Eindruck einer Collage entsteht, erscheinen in anderen Bildern die gerenderten Elemente eine Art Expansion der Figur zu sein. Schall & Schnabel haben die Verschmelzung so weit getrieben, dass es zuweilen kaum möglich ist die Übergänge des Hybrids aus 3D Skulptur und fotorealistischen Anteilen erkennen zu können.

Wie bereits in vorherigen Arbeiten des Duos setzen Schall & Schnabel auch in dieser Reihe auf harte Kontraste, arbeiten mit Bildstörungen und Spiegelungen, sie vereinen Elemente, die absurd zusammen anmuten. So trägt die Figur, von Jannick Hahn in Szene gesetzt, in einigen Motiven sowohl Fetischaccessoires, als auch Beautymasken und -produkte. Aber auch Elemente wie durchsichtige Türstopper, Latexhandschuhe oder Schleim, der ihm über eine hautfarbene Stretchingkopfhaube ins Gesicht zu laufen droht, kommen zur Anwendung. Gemeinsam mit ihrer Langzeitkollaborateurin Jennifer Galle entwickelten sie eigenwillige Erscheinungsbilder für eine Figur, die sich weder stilistisch noch kontextuell einsortieren lässt.

Die Flächen und Körper, die die Figur durchdringen und verzerren, wirken metallisch, glänzend, teilweise durchsichtig, aber nirgends glatt. Organische Formen und wellenförmige Oberflächen zersetzen das Bildgefüge. Weder bringen die Motive einen Fetischcharakter zum Ausdruck, noch sind sie glattgebügelt, wie in der Werbung für Beautyprodukte üblich. Wenngleich Anlehnungen an die Fashion- oder Werbeästhetik in dieser Arbeit zu finden wären, so werden diese stark kontrastiert und ad absurdum geführt.

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Nirgends ist die Figur im Zentrum dieser Reihe vollständig entmenschlicht oder verfremdet. Selbst in dem Motiv, da die rechte Gesichtshälfte im Stile Bacons verflüssigt wurde und die wenigsten Bildelemente real erscheinen, blitzt noch ein durchdringender Blick im Zentrum des Bildes den Betrachter an. Hautunreinheiten, Piercings und Haaransätze lassen die Hybridfigur in einem anderen Motiv der Reihe, in dem ein glänzender 3D Torso in ein Gesicht nahtlos übergeht, das mit Kupfer und Blau eingefärbt wurde unter einer durchsichtigen Beautymaske, dennoch menschlich erscheinen.

Ebenso der Kontrast in den künstlichen Umgebungen, in denen die Figur angesiedelt wird, ist auffällig: in einigen Bildern scheint das Ensemble an Elementen frei in der Luft zu schweben, vor einem hellen Himmel oder einer Wolkendecke, in anderen Bildern der Reihe wiederum scheinen sie unter Wasser in einer Untiefe zu ruhen, in die noch Neonlichter von der Wasseroberfläche, wie Warnsignale, hinableuchten. Schwer hängen organische Formen, verzerrte Elemente in einem anderen Motiv über der spannungslosen Figur, die nachdenklich oder abwesend erscheint, mit Latexhandschuhen bewehrt, als wäre sie im Begriff im nnächsten Moment einer schmutzigen Arbeit nachzugehen.

Das Spannungsfeld, in dem sich diese Reihe bewegt, ergibt sich aus den Kontrasten und verrätselten Elementen oder Uneindeutigkeiten. Sie kombiniert raffiniert gegensätzliche Welten und scheint dennoch immer genau im Transitbereich zwischen den Gegensätzen zu bleiben. Weder zu stark an die aufgeräumte Ästhetik des 3D Designs anzuknüpfen, noch all zu sehr auf Vorlagen oder Vorbilder zu verweisen. Diese Bilder stellen Sehgewohnheiten (und ganz gewiss Schönheitsideale) in Frage oder vielmehr brechen sie mit diesen, ohne sich allein dadurch auszuzeichnen.

Ihre Ausdruckskraft wird ihnen vielmehr durch die seltsame Eigentümlichkeit verliehen, die entsteht, wenn zwei, die eigentlich aus einem ganz anderen Bereich kommen, sich an einer neuen Technik versuchen, an einer Auslotung des eigenen ästhetischen Verständnisses.

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